PM: Gründung „Initiativkreis Riebeckstraße 63“

Letzten Mittwoch, am 3. Juli 2019 hat sich am historischen Ort ein Initiativkreis aus rund 30 engagierten Einzelpersonen gegründet. Der offene Kreis wird sich in Zukunft für ein Lernen und Gedenken am Ort der ehemaligen städtischen Arbeitsanstalt in der Riebeckstraße 63 einsetzen.

Hintergrund des Auftakt- und Gründungstreffens ist ein Stadtratsbeschluss von Mai 2018, der die Leipziger Stadtverwaltung damit beauftragte, in Zusammenarbeit mit dem Sächsischen Psychiatriemuseum und der Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig dauerhaft und sichtbar an die Geschichte der Riebeckstraße 63 zu erinnern. Denn die städtische Arbeitsanstalt war über ein Jahrhundert hinweg Akteur einer repressiven kommunalen Gesundheits- und Sozialpolitik. Als Arbeitshaus 1892 eröffnet, verschärfte sich die kommunale ‚Fürsorge‘ während der NS-Zeit zunehmend, das Gelände wurde außerdem als Sammel- und Durchgangslager genutzt, sodass sämtliche NS-Verfolgtengruppen die Riebeckstraße passierten. Zu DDR-Zeiten war in den Gebäuden eine Venerologische Station sowie eine Abteilung der Psychiatrie untergebracht. Einrichtungen, deren zentrale Funktion die der sozialen Disziplinierung war. Heutiger Träger des Geländes ist der Städtische Eigenbetrieb Behindertenhilfe (SEB), der hier eine Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete und ein Wohnprojekt für Kinder und Jugendliche betreibt.

Der Gebäudekomplex ist zwar weitgehend erhalten, jedoch erinnert bislang weder eine Informationstafel noch ein Denkmal an die vielen Menschen, die hier Leid erfuhren. Um auf diese Leerstelle aufmerksam zu machen und vor allem die Leipziger Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren, hat bereits im März 2019 ein Symposium stattgefunden. In den vielfältigen Beiträgen konnte erstmals ein Überblick über den aktuellen Forschungsstand gewonnen werden. Darüber hinaus war ein Ziel der Veranstaltung, eine breite Öffentlichkeit an der zukünftigen Diskussion um den Umgang mit der ehemaligen Arbeitsanstalt teilhaben zu lassen. „Mit der Gründung des Initiativkreises Riebeckstraße 63 ist ein erster und großer Schritt in diese Richtung genommen“, meint Petra Cagalj Sejdi, Grünen-Stadträtin und Initiatorin des Stadtratsbeschlusses.

Der Initiativkreis Riebeckstraße 63 wird sich in Zukunft regelmäßig treffen, um über Formen und Inhalte der Gestaltung und Vermittlung zu diskutieren und eine Auseinandersetzung mit diesem Teil Leipziger Stadtgeschichte anzuregen. Der Initiativkreis ist für alle Interessierte geöffnet. Bei Interesse bitten wir um eine E-Mail an untenstehende Adresse.

Kontakt: Ann Katrin Düben, Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig
E-Mail: initiativkreis@riebeckstrasse63.de
Facebook: https://www.facebook.com/riebeckstrasse63/